Konventionen der sozialen Medien: Wie Sie den Post an den Kanal anpassen 6 Tipps zur neuen Netiquette

Lesezeit: 6 Minuten

Sie begrüßen Ihre Freunde zu einem geselligen Abend nicht auf die gleiche Weise wie Ihren Gesprächspartner bei einem Vorstellungsgespräch. Wenn Sie einkaufen gehen, kommunizieren Sie mit dem Verkäufer wahrscheinlich ebenso anders als Ihrem Ehepartner, der den Wagen schiebt, oder anderen Kunden um Sie herum. Denn: Im Alltag nehmen Menschen unterschiedliche Rollen an, die der aktuellen Situation und Umgebung angepasst sind. Und das passiert in den sozialen Medien ebenfalls! Es gibt keine einheitliche Netiquette mehr, die das Verhalten im Internet reguliert, sondern mehrere, von dem Kanal abhängige Konventionen. Während die Gesamtheit dieser Verhaltensweisen selbst Memes umfasst, die sich nur auf Reddit verbreiten, und neue Redensarten, die im Twitter-Universum verbleiben, gibt es ein paar grundlegende Richtlinien, an denen Sie sich orientieren können, wenn Sie Ihre Posts formulieren und Kommentare schreiben.

“Interessiere dich für andere, wenn du willst, dass sie sich für dich interessieren.”

– Adolph Knigge

Facebooks feine Art

Zu unterscheiden ist hier, wo man postet: Längere Texte sind in Gruppen kein Problem. Die meisten, die sich hier herumtreiben, sind nicht für die Bilder da und selten für die Videos, sondern zum Interagieren, Meinungsaustausch und auch schon einmal, um etwas Zeit in einen einzelnen Post zu investieren, sei es mit dem Text an sich oder der Kommentarsammlung darunter.

Wer durch seinen privaten Feed scrollt, will eher kürzere bis mittellange Posts sehen, über Memes lachen und nur gelegentlich halbe Romane lesen: eine gesunde Mischung. Auch das ist außerdem von Zielgruppen abhängig: die Wenigen im Alter von 13 bis ungefähr 35, die Facebook noch aktiv und regelmäßig nutzen, sind die Schnelllebigkeit anderer Netzwerke gewohnt und oft weniger offen für lange Posts. Die Generation darüber hingegen stört sich meist nicht an längeren Texten. Gesagt sei aber: niemand beschwert sich, dass Posts zu kurz sind.

Dank Gruppen, Seitenabonnements und gesponsorter Werbung ist es auf Facebook relativ einfach, seine Zielgruppe einzuengen. Dementsprechend sollte die Sprache angepasst werden: Jugendsprache versus konservative Ausdrucksweise, formell versus kolloquial, Laie versus Experte. Dabei erwarten die wenigsten, sonderlich hochgestochen angesprochen zu werden. Selbst Unternehmensseiten sollten den Grat zwischen Professionalität und vertrauter Kommunikation wandeln. Schließlich geht es hier auch ums Community-Building.

 

Weitere hilfreiche Tipps, um Ihren Post für Facebook zu optimieren:

  • Verwenden Sie alle Funktionen (Gefühle, Geotags etc.)
  • Fügen Sie immer einen visuellen Aspekt hinzu: Fotos, Videos oder die Linkvorschau z. B.
  • Benutzen Sie Emojis, aber bleiben Sie bei den Standards, besonders als Unternehmen: Lachsmileys? Ja. Abenteuerliche Symbole und Roboter? Nur wenn sie explizit zum Produkt passen.
  • Niemals verwenden: Den Zwinker-Emoji und der Emoji auf dem Kopf. Sein richtig gedrehter Gegenpart, der sogenannte leicht lächelnde Smiley, ist ebenfalls tabu: Sie alle sind provokant und drücken negative Emotionen aus – sollten daher nur in einem Post auftauchen, wenn Sie darauf abzielen. Aber dann sollten Sie meistens überdenken, ob dies überhaupt einen brauchbaren Post abgibt.

Instagram-Impulse

Wenn Sie auf Instagram anfangen, Ihre Follower zu siezen, fangen Ihre Follower ganz schnell an, abzuspringen. Das Sprachspektrum auf Instagram ist eng: von kolloquial bis freundschaftlich-professionell, aber niemals wahrhaft formell. Das weltweite Netzwerk ist ein privater Ort. Selbst, wer dort sein Unternehmen voranbringen will, geht eher auf einer vertrauten Ebene mit seinen Followern um. Stattdessen sollte Ihr Auftritt auf anderen Ebenen professionell gestaltet werden: Ein einheitliches Theme, eine ernstzunehmende Bio, keine exzentrische Stickerwahl in Stories.

Was die Textlänge angeht: Ein paar Sätze dürfen in der Bildunterschrift schon stehen, aber die Wenigsten scrollen durch ihren Insta-Feed, um endlose Texte zu lesen. Mehrwert sollte kurz verpackt werden, jedoch tatsächlich vorhanden sein: die üblichen Motivationssprüche und „Think Positive“-Tiraden dienen langsam aus.

Auf was Sie noch achten können:

  • Verpixelte Bilder, überbelichtete Selfies und verschwommene Hintergründe, in denen vor der Bearbeitung mal Unordnung geherrscht hat, sind out. Gute Kameras stecken heutzutage schon in Handys und Fotoinszenierung ist auf Instagram die Regel. Nutzer erwarten Qualität
  • Emotionen in Bilder zu verpacken ist eine Kunst, die hier Erfolge schreibt. Das, und Humor.
  • Emojis dürfen hier ruhig ausgefallener sein

Youtube-Gunst

Hier gibt es bisher wenige Konventionen, da normale Posts ein recht neues und auch eher selten genutztes Feature sind. Das Hauptaugenmerk bei Youtube liegt auf dem Video. Das heißt aber nicht, dass der normale Text- oder Bildpost einfach vergessen werden sollte. Gerne gesehen sind hier auch längere Erzählungen oder Umfragen, die das Community-Building unterstützen. Besonders nützlich sind sie zum Beispiel, um Vlogs zu ergänzen oder zu ersetzen … oder die Community auf dem Laufenden zu halten, obwohl der Content nicht für ein Video reicht.

In Bezug auf Videobeschreibungen ist hingegen alles recht festgelegt. Der Aufbau der meisten Description Boxes besteht aus einem Einblick in das Video, Quellen und Links, um die im Video vermittelten Infos nachzulesen, und Referenzen zu anderen Channels und sozialen Kanälen. Der Ton sollte dem im Video entsprechen.

Gut zu wissen:

  • Was Ihre Wortwahl betrifft, ist sie hier komplett der Zielgruppe anzupassen, von Siezen bis Umgangssprache ist alles in Ordnung
  • Dass es kaum Regeln und Erwartungen gibt, kommt Ihnen hier zugute. Werden Sie ruhig kreativ und stechen Sie hervor
  • Fügen Sie ein Bild hinzu, denn an Textposts ist schnell vorbeigescrollt

Twitter-Tugend

Auf Twitter dürfen Sie die Nutzer nur dann siezen, wenn Sie ein Bestattungsinstitut oder Politiker sind. Der Ton auf Twitter ist oft rau und trocken. Und während das sicherlich nicht jedes Unternehmen darf, gibt es doch das ein oder andere, das sich daran anpasst. Um sich dem ganz besonderen Twitter-Charme zu entziehen, sollte Ihr Ruf schon unnachgiebig seriös sein oder Ihre Branche es verbieten, Humor zuzulassen.

Twitter war einmal als Kurznachrichtendienst gedacht. Mittlerweile wurde die Zeichenzahl einzelner Tweets zwar erhöht und Threads machen auch unendliche Botschaften denkbar. Aber sich kurz zu halten, bleibt der Knackpunkt in diesem sozialen Netzwerk. Große Threads müssen erheblichen Mehrwert bieten, sei es eine Fülle an Informationen oder an Lachern.

Wie schon angedeutet: Twitter teilt aus. Trockener Humor und Schlagfertigkeit sind hier an der Tagesordnung und das gilt in vielen Fällen auch für Unternehmen, die hier Erfolg verzeichnen wollen. Der Grat zwischen Scherz und Beleidigung ist dünn, aber will bewandert werden. Wer sich das traut, sollte aber niemals wirklich ausfallend oder offen beleidigend werden.

Ferner hat Twitter eine eigene Sprache. Der Fokus liegt hier wirklich auf dem Text und Memes finden sich oft in rein schriftlicher Form verwirklicht. Vor wenigen Jahren lebte beispielsweise die Formulierung „Triff mich, wie ich…“ auf, gefolgt von Situationen, in denen sich andere entweder leicht erkennen (oder ertappt fühlen?) können oder aber einer Beschreibung von übertriebenen oder surrealen Gelegenheiten.

Damit können Sie arbeiten:

  • Nirgendswo unterteilt der Algorithmus Themen und entsprechende Accounts so stark wie auf Twitter. „Twitter Bubble“ nennt sich die thematische (und personenbezogene) Bandbreite, die ein Nutzer durch seine gefolgten Accounts erhält, und ist ein ideales Phänomen für die Zielgruppenansprache
  • Hasskommentare und Shitstorms sind auf Twitter schwer vermeidbar. Legen Sie sich eine Strategie zurecht, um damit umzugehen. Die sichere Lösung: entwaffnende Freundlichkeit.
  • Emojis sind hier zu verwenden wie Interpunktion: optional, aber auch gerne wild. Als Unternehmen vielleicht weniger Smileys, mehr Kommas.

TikTok-Takt

Schreiben Sie nicht mehr als zwei Sätze zu Ihrem Video – alles andere wäre verschwendete Zeit und nervt nur Ihre Zuschauer. TikTok ist der Inbegriff der Schnelllebigkeit in sozialen Medien. Die wichtigste Aussage in einem Satz und in lockerer Sprache reicht aus. Der Fokus liegt hier weit entfernt von der Videounterschrift. Der wesentliche Text ist eh Teil des Videos und erscheint auch da eher in Form von Unterhaltungen, Stichpunkten oder sehr kurzen Situationsbeschreibungen.

Falls Sie es noch nicht wussten:

  • Es gibt immer einen Trend. Springen Sie ruhig auf den Zug auf. Gerade bei Unternehmen führt das oft zu kreativen Lösungen und Posts.
  • Ein Video mit den Hashtags mehrerer Challenges zu versehen, fordert Abmahnungen und Rache des Algorithmus ein. Hier heißt es: beim Thema bleiben!
  • Benutzen Sie einen erfolgreichen Audioclip, hilft das auch Ihrer Reichweite: denn viele suchen anhand des Tons nach Videos.

LinkedIn-Leitfaden

Ein nett verpacktes „Sie“ ist hier gern gesehen. Das bedeutet nicht, dass das Duzen ein No-Go ist, doch LinkedIn ist ein Netzwerk für beruflichen Erfolg: Netzwerken, Weiterbilden, Jobs finden. Wählen Sie also Ihrer Zielgruppe entsprechend. Lange Texte sind hier gern gesehen, auch Blogposts und andere Links, die den Leser wirklich weiterbringen können. Wenn Ihr Follower nach dem Lesen das Gefühl hat, etwas für sich oder seinen Job mitgenommen zu haben, ist Ihr Post ein guter Post. Auch aufbereitete Fachsprache, d. h. für den Laien trotzdem noch definierte Termini, kann auf LinkedIn eingestreut werden, am liebsten gemischt mit einer Portion Persönlichkeit – damit bei anderen ankommt: Sie sind Experte, aber auch auf menschlicher Ebene eine angenehme und spannende Person bzw. ein sympathisches Unternehmen.

Einige Ratschläge:

  • Ihr Auftritt bei LinkedIn sollte zwei Aspekte abdecken: Ihren Expertenstatus und Ihre einzigartige, aber professionelle Persönlichkeit.
  • Hashtags sollten gezielt und sparsam eingesetzt werden: ein bis drei Stück reichen aus
  • Emojis sparsam einsetzen und die Wahl nicht zu ausgefallen gestalten
About the Author

Texte | Korrektur und Lektorat | SEO | Social Media

Gestern Studentin, heute Werbetexterin – noch bin ich ganz frisch im Berufsalltag. Erfahrung habe ich trotzdem reichlich gesammelt: als Journalistin für diverse Zeitungen und Portale, in Presseabteilungen und literarischen Initiativen. Mein Studium hat mir alles über Sprache, Kommunikation und Werbung beigebracht. Und das Schreiben ist ohnehin ein Teil von mir: schon als Kind habe ich Geschichten gesponnen, sobald mir die ersten Buchstaben beigebracht wurden. Deshalb sind meinen Worten keine Grenzen gesetzt: von Blogposts bis zu suchmaschinenoptimierten Websitetexten, von Pressemitteilungen bis zu Kurzgeschichten schreibe ich alles, was sich auf Papier – oder den Bildschirm – bringen lässt. Ein Spritzer Kreativität, eine Prise Leidenschaft – das macht meine Arbeit aus.