5 Kreativitätsübungen für Texter: Ideen produzieren und verfeinern Kreativität ist nicht immer da, wenn man sie braucht. Aber Kreativität ist die Arbeitsgrundlage für jeden Texter.

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Zwischen Routine und konstanter Textproduktion entsteht sie, in den Tiefen eines jedes Texterherzens, wächst und lauert, wartet: auf die Imagebroschüre, die dem Kunden besonders wichtig ist, oder den Blogpost, der schnell fertig werden muss. Und schon fällt sie Sie an: die Leere im Kopf, die Einfallslosigkeit, die Schreibblockade! Der Beruf des Texters lebt, wie viele andere im Marketingbereich, von Kreativität und Ideenreichtum. Aber manchmal sagt das Hirn einfach „Stopp“, oft in den ungünstigsten Momenten. Für diesen Fall gibt es eine Reihe an Übungen, auf die jeder Schreiberling zurückgreifen kann. Das Internet ist voll davon, mit wenigen Mausklicks zu finden und in Minuten durchzulesen. Aber die Walt-Disney-Methode, die mindestens drei Personen braucht, hilft im Berufsalltag oft genauso wenig wie der Vorschlag, doch einmal spazieren zu gehen: erstens kennt jeder die Umgebung vor dem Büro so auswendig wie die eigene Kaffeetasse und zweitens können die meisten weder eine Stunde Arbeitszeit im Park verbringen noch jedes Mal ein kleines Team zusammenrufen, wenn das richtige Wort nicht auf der Zunge liegt. Deshalb gibt es hier eine Sammlung von realistisch umsetzbaren, allein durchzuführenden Kreativitätsübungen, die jedem Texter zur Hilfe kommen können:

Divergentes Denken

Voraussetzungen: Ein Ansatz von Ruhe und die Möglichkeit, kurz die Augen zu schließen und den Gedanken freien Lauf zu lassen.

Wenn die Gedanken wahllos umherschwirren, kaum noch Sinn ergeben und erst recht keiner Richtung folgen – das ist divergentes Denken. Und um die Kreativitätsmaschine anzuwerfen, ist das genau das Richtige. Wenn Sie sich den Gedanken hingeben, geht es nicht um einen Lösungsansatz, es muss nicht einmal automatisch um das vorhandene Problem gehen. Sinn der Sache ist, aus dem eigenem Gedankentrott herauszukommen und von den konventionellen Denkweisen fort zu finden. Wenn Sie sich unwohl fühlen, von dem aktuellen Thema abzuweichen, beginnen Sie aber auch gern dort:

„Ich schreibe gerade die Produktbeschreibung für einen Kaktus. Ein Kaktus hat Nadeln. Ich kann nicht nähen, aber dafür stricken. Ein Wollknäuel? Ein Wollknäuel in den Pfoten einer Katze. Oh, dieser Kaktus ist giftig für Katzen. Ich sollte noch ein paar Hinweise zu der Beschreibung hinzufügen.“

Das ist ein albernes, aber realistisches Beispiel von ungelenktem Denken, das am Ende doch zu einem brauchbaren Ergebnis führt. Selbst wenn das erst einmal nicht Fall ist, befreit der Prozess von krampfhaftem Nachdenken und vorgetretenen Wegen im Text.

Wer eher auf der Suche nach spezifischen Worten als nach groben Ideen ist oder wer noch nicht genug Kaffee hatte und beim Augenschließen einnickt, der kann das Ganze auch mit Kugelschreiber und Papier umsetzen: Free Writing heißt das schriftliche Äquivalent und ist mehr auf Wortfindung sowie Konzentrationsprobleme ausgelegt.

Wortfelder pflügen

Voraussetzung: Stift, Papier und eine gewisse Sprachkenntnis

Mindmapping ist eine relativ bekannte Kreativitätstechnik, die aus einer Vielzahl an Gründen wirklich helfen kann: sie breitet das gesamte Themenfeld vor dem Texter aus und gibt ihm einige Minuten Zeit, es tatsächlich zu erforschen, ohne auf das Schreiben konzentriert zu sein. Besonders effektiv ist diese Lösung also, wenn man bereits verkrampft auf den Bildschirm starrt und sich gedanklich in eine Ecke gegraben hat. An Mindmaps kann man von unterschiedlichen Standpunkten aus herantreten, es lassen sich sogar mehrere Mindmaps zu einem Thema schaffen. Besonders effektiv für Texter: direkt das Wortfeld (oder die Wortfelder) des Themas in den Mittelpunkt zu rücken.

Wenn die Materie inhaltlich bekannt ist, aber die Worte fehlen, kann es bereits helfen, die sprachliche Welt des Themas vor sich auszulegen. Herangehensweisen können sich hierbei ebenfalls unterscheiden, von der Sortierung nach Wortarten bis hin zur Semantik. Natürlich muss das nicht in einer Mindmap passieren: Listen bringen es genauso weit wie 30 unsortierte Klebezettelchen, wenn Sie so besser arbeiten können.

Konversation und Imagination

Voraussetzung: Eine freie Minute und Vertrauen in die eigene geistige Gesundheit

Wenn Perspektivwechsel schwerfallen oder Sie noch tiefer in ein Thema vordringen möchten, hilft es, sich ein Gespräch über das Thema vorzustellen. Im Dialog – auch mit sich selbst – kommen oft neue Gesichtspunkte zum Vorschein: welche Fragen aufkommen können, was vielleicht geschickter erklärt werden muss, welche Formulierungen flüssiger klingen könnte. Falls man sich dabei ein wenig verrückt vorkommt, ist das auch okay. Je natürlicher sich das Gespräch im Kopf entfaltet, desto eher entstehen neue Ideen.

Natürlich liegt auch hier das immer wiederkehrende Prinzip der meisten Kreativitätstechniken vor: man erzwingt einen Perspektivenwechsel und versetzt sich in Nutzer des Produktes, Interessenten an der Dienstleistung etc.

Ein Kinderspiel

Voraussetzung: Ihr inneres Kind

Als Kind war alles ein kleines Wunder, vom im Licht tanzenden Staub bis hin zu den banalsten Alltagsgegenständen. Wo man heutzutage Grund zu Putzen und vielleicht zum Aufräumen entdeckt, lag damals Spannung und Neugier. Sich noch einmal in die kindliche Perspektive zu versetzen, kann auf vielen Ebenen eine gute Lösung sein: ein Text für Laien schreibt sich mit mehr Elan, eine Produktbeschreibung mit mehr Begeisterung und ein Blogpost mit mehr Inspiration, wenn man mit den Augen eines Kindes darauf blickt. Oft bemerkt man Dinge, die sonst verloren gehen.

Schreiben mit Stil

Voraussetzung: Die Fähigkeit, sich selbst und seine Texte für ein paar Minuten nicht so ernst zu nehmen

Nicht jede Metapher, nicht jeder Vergleich eignet sich für einen Werbetext. Tatsächlich sind sie meistens etwas zu bunt, denn Werbetexte verlangen für gewöhnlich einen starken Fokus auf das Thema. Stilmittel lenken hingegen oft auf andere Bereiche, die dort überhaupt nichts zu suchen haben. Je nach Ton und Thema geht das natürlich trotzdem. „Show, don’t tell“ ist aber in der Realität eher ein Ratschlag, den Werbetexter selten beherzigen sollten. „Sie können die Schraube in das Holz drehen wie in Kinderknete, unverkrampfte Hände und die Mundwinkel oben. Handwerken wird so leicht wie mit Bauklötzen zu spielen“ erschafft vielleicht nicht die gleiche seriöse Atmosphäre wie „Dieser Akkuschrauber ermöglicht es Ihnen, leicht und unkompliziert professionelle Ergebnisse zu erzielen. Es ist kaum Kraftaufwand nötig.“

Mit Stilmitteln lässt sich jedoch eine Menge Spaß haben. Eine lustige Metapher oder ein treffender Vergleich mögen sich im Endergebnis nicht gut machen, aber als kleines Intermezzo lockern sie das Hirn ein wenig auf und fördern die Kreativität. Wenn Sie also festhängen, spielen Sie doch ein paar Minuten mit bildhafteren Ausdrücken als sie es sich sonst erlauben würden.

Kreativität erkunden, verwandeln und zu Papier bringen

Wenn die Kreativität dann wieder fließt, können die entstandenen Ideen noch verfeinert, spezifiziert und abgerundet werden. Jede Kreativitätsübung bietet unterschiedliche Vorteile. Wer nur nach den angemessenen Worten sucht, der sollte Wortfelder und Stilmittel erkunden, wer hingegen einen neuen Blickwinkel erforschen will, kann dies durch Kinderaugen oder die eines imaginären Gesprächspartners tun. Divergentes Denken kitzelt alles Mögliche aus Ihrem Hirn heraus. Jede dieser Übungen kann schnell, ohne großen Aufwand und allein ausprobiert werden – und unterstützt Sie dabei, gründlichere und kreativere Texte zu schreiben. Viel Spaß!

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Gestern Studentin, heute Werbetexterin – noch bin ich ganz frisch im Berufsalltag. Erfahrung habe ich trotzdem reichlich gesammelt: als Journalistin für diverse Zeitungen und Portale, in Presseabteilungen und literarischen Initiativen. Mein Studium hat mir alles über Sprache, Kommunikation und Werbung beigebracht. Und das Schreiben ist ohnehin ein Teil von mir: schon als Kind habe ich Geschichten gesponnen, sobald mir die ersten Buchstaben beigebracht wurden. Deshalb sind meinen Worten keine Grenzen gesetzt: von Blogposts bis zu suchmaschinenoptimierten Websitetexten, von Pressemitteilungen bis zu Kurzgeschichten schreibe ich alles, was sich auf Papier – oder den Bildschirm – bringen lässt. Ein Spritzer Kreativität, eine Prise Leidenschaft – das macht meine Arbeit aus.